B 2138 - Filisurerstübli - Zweiachsiger Personenwagen

B 2138 - Filisurerstübli
Zweiachsiger Gesellschaftswagen B 2138 "Filisurerstübli"

Die Geschichte des B 2138

Wie entstand die Idee diesen Wagen zu revidieren 

Die Idee einen Gesellschaftswagen für die Dampfzüge zu realisieren entstand am Stammtisch im Hotel Grischuna in Filisur. Es waren ein paar Mitglieder vom Club 1889 und ein paar Einheimische von Filisur. Die Filisurer wünschten einen Wagen für die Dampfzüge, der im Jahre 2003 am 100 Jahr Jubiläum der Albulalinie mit einem grossen Fest der Rhätischen Bahn übergeben werden kann. Sie versprachen uns für die Finanzierung aufzukommen und wir im Gegenzug den Wagen auch bis ins Jahr 2003 zu revidieren.

Wir brauchten keine drei Sitzungen, um dieses Vorhaben zu Organisieren. Der Club 1889 erstellte ein Budget von 40'000.--  Fr. was sich herausstellte, dass dieser zu tief angesetzt war. Die Gemeinde, der Tourismus, der Gewerbeverein und Private brachten das Geld auch für das höhere Budget zusammen.

An der zweiten Sitzung waren wir uns einig mit dem Budget und konnten so den Übergabe Tag bestimmen. Den die Filisurer wollten ein grosses Bahnhoffest organisieren. Wir entschieden uns für den 20. Oktober 2003 und so konnte es losgehen. Wir mit Arbeiten und die Filisurer mit Geld sammeln.

Beim Aufrichtfest in Samedan wurde mit einem kleinen Wettbewerb der Name des Wagens entschieden.

Es war schön mit den Filisurern zusammen zu Arbeiten, vor allem alles war unkompliziert und ich möchte mich nochmals recht herzlich Bedanken für die  grosse Unterstützung seitens der Filisurer.

Kurzer Lebenslauf des Wagens

1902 bestellte die Rhätische Bahn bei der SIG die Serie AB 114 – 125. Ihr Aussehen veränderte sehr das Bild der RhB – Züge, waren sie im Aussehen und in der Grösse doch anders als die bis anhin gelieferten 48 Personenwagen. Alle besassen in der Mitte eine Toilette. Nach Ausbruch des ersten Weltkrieges blieb anfänglich der grösste Touristenstrom, vorwiegend aus England und Deutschland aus, so dass die Polsterklassewagen nur noch wenig zum Einsatz kamen. Nach ersten Versuchen mit der elektrischen Beleuchtung in den Jahren 1906 und 1907, erhielten alle Wagen ab 1910 diese Einrichtung. Ab1920 sind dann auch nach und nach alle Wagen mit der elektrischen Heizung ausgerüstet worden, wobei ab 1922 zum Teil die Dampfheizung ausgebaut wurde. Das aufkommen des Wintersportes nach Mitte der dreissiger Jahre verlangte mehr Wagen dritter Klasse. Die Zahl der herumstehenden und abgestellten Polsterklassen Zweiachser war gross, so dass man sich entschloss, in den Jahren 1948 – 1953 alle Zweiachser die noch erste Klasse führten in Zweitklasswagen zu deklassieren.

Die Beschriftung nach 1956 als B 2138

Gemäss Fabrikschild besass der Wagen ursprünglich die Nummer AB 119. Nach einer Revision erhielt er fälschlicherweise die Nummer AB 117.

 

Serie   Nummer   Inbetriebnahme   Fabrik-Nr.  
AB 119 1903 9445

Jahr, Mutationen

1911 elektrische Beleuchtung

1920 elektrische Heizung

1948 B 119

1954 C 119

1956 B 2138

1964 B2 2138

1967 X 9064

2002 B 2138

Die Zukunft des Wagens

Der Wagen soll ein Gesellschaftswagen für Dampfzüge werden. Jetzt kann der Kenner einwenden, seit geraumer Zeit verkehre ja der „Alpine Classic Pullmann Express“ mit seinen prächtigen Salonwagen. Richtig, aber wer kann sich den leisten? Er bleibt höheren Gehältern vorbehalten. Somit bleiben den Familien die Dampffahrten – von RhB und Dampffreunden organisiert -, um etwas historische Bahn zu erleben. Und genau da besteht zurzeit ein grosses Manko. Der hier eingesetzte Barwagen nur mit Stehplätzen ist für Erwachsene, die standfest sind. Sie können in ihm ihren „Kaffee mit Dampf“ oder ein Bierchen trinken. Wenn ihnen der ehemalige Gepäckwagen zu laut ist, müssen die Fahrgäste ihren Tee mit Kuchen über die nicht ganz ungefährlichen offenen Plattformen zu ihrem Sitzplatz zurückjonglieren. Deshalb ist die Idee eines „Kaffee – und – Kuchen – Wagens“ mit Rundumblick einleuchtend. Ein Wagen, der sich äusserlich nahtlos in die alte Zweiachserkomposition einfügt, innen aber bedeutend mehr bietet als nur eine Sitzgelegenheit. Ausgestattet mit vier Tischen, langen Bänken und einer Anrichte ist er prädestiniert, in historischen Zügen die Funktion eines Speisewagens zu übernehmen – in dem sich die Eltern nicht um ihre Kinder sorgen müssen.

Unser Gesellschaftswagen hat noch einen anderen gewichtigen Vorteil: Dank ihm können die anderen historischen Zweiachser leichter vermarktet werden als dies bisher der Fall war. Im Fahrzeugbestand der Rhätischen Bahn befinden sich zwei stiefmütterlich behandelte Juwelen, die schweizweit einmalig sind. Der älteste Erstklasswagen der Bahn, der A 1102 mit 4 Coupés, von 1903, und der mit Holzbänken ausgestattete  C 2012 von 1889 mit seiner rekonstruierten, originellen Innenbeleuchtung. Diese bilden in Kombination mit dem Gesellschaftswagen ganz aussergewöhnliche Paare, wie sie sich Geburtstagsgesellschaften oder Hochzeitspaare nur wünschen können, um eine unvergessliche Fahrt ins Glück zu erleben. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass „historischer Zug“ nicht per se bedeutet, dass er von einer Dampflok gezogen werden muss. Es stehen nicht minder interessante alte Elektrolokomotiven wie das Krokodil oder die „Oerlikoner“ zur Verfügung, die ebenfalls hervorragend zu den Zweiachsern passen. Zudem besitzt die Rhätische Bahn eine ideale Strecke, auf der Zweiachser eingesetzt werden können: die Bernina – Linie. Keine Geschwindigkeiten, eine faszinierende Strecke und kleine Radien ziehen nicht nur Bahnfans in ihren Bahn. In Zukunft sind wohl öfters geschlossenen Gesellschaften auf zwei Achsen – kaffeetrinkend und kuchenessend Richtung Poschiavo oder Tirano fahrend – zu sehen.